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Art for free: Kostenlose Kunst in Mannheim am 29. März 2019

Was ist Kunst wert? Zu welchem Preis kaufen wir Kunst, und warum? Durch was wird Kunst zur Kunst?

Ist Kunst, die auf der Straße ist, automatisch Streetart? Oder automatisch Müll?

What is art worth? At what price do we buy art, and why? What makes art art?

Is art that is on the street automatically street art? Or automatically garbage?

Diesen Fragen gehe ich mit meiner Performance in Mannheim nach. Denn morgen, am 29. März 2019, werde ich drei Bilder in Mannheim in die Welt entlassen. Vollkommen umsonst, no strings attached! Nur ein Stückchen Klebeband wird die Bilder an der Wand halten, und nur, so lange sie niemand mitnimmt. Ein kleiner Zettel informiert potenziell Interessierte darüber, dass mitnehmen erlaubt ist.

I pursue these questions with my performance in Mannheim. Tomorrow, March 29, 2019, I will release three pictures into the world in Mannheim. Completely free, no strings attached! Only a piece of adhesive tape will hold the pictures at the wall, and only for as long as nobody takes them with them. A small piece of paper informs potentially interested people that it is allowed to take them.

Kostenlose Kunst? Echt? | Free Art? Really?

Jaaaaeeein. Also eigentlich ja. Aber auf der Rückseite der Bilder stehen Informationen zu mir, zu dem Bild, und wie ich bezahlt werden könnte, wenn das gewollt ist. Ich gebe meine Patreon-Seite an und meine Ko-fi-Seite. Aber grundsätzlich ist auch keine Bezahlung vollkommen ok, und ich erwarte erst einmal nichts.

Yeeeaaaah… So actually, yes. But on the back of the pictures there is information about me, about the picture, and how I could be paid if I wanted to. I enter my Patreon page and my Ko-fi page. But basically no payment at all is ok, and I don’t expect anything for now.

Das hier ist ein Experiment.
Und jedes Ergebnis ist in Ordnung. Also: Ja! Freie Kunst! Kostenlose Kunst! Bild for free, und zwar für dich, wenn du willst. Auf Instagram, Facebook und Mastodon veröffentliche ich morgen mehr Infos zu den Orten, wo die Bilder zu finden sind. Und dann: Laufschuhe an und los!

This is an experiment.
And every result is fine. So: Yes! Free art! Completely free art! Painting for free, for you if you want to. On
Instagram, Facebook and Mastodon I will publish more info about the places where the paintings can be found tomorrow. And then: Running shoes on and go!

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Aus Hass

Ich baue mir aus Hass ein Haus,
das kommt ganz ohne Fenster aus.
Andere Menschen seh‘ ich nicht,
statt dessen hab ich Deckenlicht.

Weg mit der Tür, ich brauche keine,
dann bin ich sicher und alleine.
Hier ist mein Tisch, zum Brechen voll.
Wüsst‘ nicht, was ich noch teilen soll.

Hier drüben hängt mein Waffenschein,
mein Schäferhund ist rassenrein.
Hier meine Frau, ich mag sie still,
ist mir egal, ob sie das will.

Hier in der Mitte steht mein Thron.
Mein Erbrecht, meines Blutes Lohn!
Verricht‘ mein Werk, die heilige Pflicht,
und nach dem Stuhlgang spül‘ ich nicht.

Ja, eine Festung ist mein Haus!
Und kommst du rein, schmeiß‘ ich dich raus.
Mein Hass ist grenzenlos und frei,
und Menschen sind mir einerlei.

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Großvater

Großvater, wie war das damals,
als Häuser brannten,
und Scheiben eingeschlagen wurden,
weil dem Mob die Religion
der Geschäftsinhaber nicht passte?

Großvater, wie war das damals,
als Zeitungen druckten,
dass das Leben einiger Menschen
einfach weniger wert sei,
als das von Deutschen?

Großvater, wie war das damals,
als Menschen flohen, durch ganz Europa,
vor Krieg und Massenvernichtung,
während sich andere scharten
hinter den Predigern von Hass?

Großvater, wie war das damals,
als auf der Straße
bewaffnete Gruppen arischer Männer
die Straßen sicher hielten,
und sauber, für die arische Frau?

Großvater, wie war das damals,
als eine neue Partei gewählt wurde,
die Hass predigte gegen Menschen,
die ihr irgendwie
nicht deutsch genug waren?

Großvater, wie war das damals,
zweitausendsechzehn?

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Harz

Harztropfender Traum
klebt an seinen Händen der Schmutz, der Schmutz,
er klebt an den Händen, er klebt im Gesicht.
Die Augen geschlossen, geschlossen.

Getrocknete Wunden,
aus den Wunden quillt Blut, immer weiter,
rinnt über die Augen des Träumers hinab
auf den Boden vor ihm.

Sein trockener Mund
verlangen die Lippen nach Wasser und Liebe,
nach Wahrheit und Liebe und Demut, und Liebe,
wenn bittere Qual sich darüber erbricht.

Unter dem Körper
seidene Träume, sie fielen am Morgen, trocken und rau,
Träume von Liebe und Wahrheit, am Boden
in schillernden Scherben im Staub.

Nachts klebt er Scherben
mit Harz und mit Blut, klebt er ungelenk Träume zu borkigem Wahn.
Leimig und schwer ist das Werk seiner Hände,
ersetzt es sein Auge wie auch sein Herz.

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Langsamkeit

Gemächliche Ruhe zieht Kreise aus Deckweiß und
wachsweiche Seelen erbrechen sich leer.
Galle und Gleichmut bedecken die Landschaft und
zahnlose Tiere zergehen im Meer.
Stöhnen und siechen und kriechende Leiber,
ölige Fäulnis, ein wogendes Heer.
Blutleere Mäuler und kotige Zungen
verwelken, veröden, und werden doch mehr,
sinken und treiben, ein lebloses Bleiben,
heißen dich Willkommen im ewigen Teer.

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Nachtgebet

Kalter Teer rinnt aus den Fingern in die Tastatur. Die Worte wollen nicht, also zwingt er sie. Eins. Nach. Dem. Anderen. Der erkaltete Kaffee auf der Tischecke schaut zu und seufzt.

Gäbe man ihm doch eine Plattform! Ein Podium! Eine Kanzel, um seine Litanei immergleicher Wahngesänge in wartende Ohren zu gießen! Höret, der Herr hat gesprochen, und ich sage euch, das Ende ist nahe! Denn ich habe das Licht gesehen, und das Dunkel, und was interessiert mich das dazwischen! Höret!

Aber weder Kanzel noch Podium oder Plattform wird ihm bereitet. So bleibt nur die Tastatur. Ihr, die ihr nicht hören wollt – nun müsst ihr lesen! Schwerfällig senkt sich der Finger, dann ein weiterer. Wieder ein Wort niedergezwungen! Er analysiert, er seziert, er exekutiert seinen Feind nach allen künstlichen Regeln. Und nach einigen mehr, denn zu einfach will er es sich auch nicht machen. Denn er ist ja ohnehin schon überlegen! Das weiche Brot auf dem Teller schüttelt nur den Kopf.

Kalter Teer tropft schwarz. Tropfen um Tropfen höhlt sich die Welt, schält sich das Herz und häutet sich der Verstand. Und nicht Erkenntnis wächst, sondern nur das Überbein am Handgelenk.

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Gedicht zum Vatertag

Bitterer Männer schwere Tränen
tropfen kalt auf staubigen Grund.
Niemals blicken sie über die Spitzen
ausgetretener Schuhe hinaus.

Großer Worte große Gesten
verhallen hohl in der Einsamkeit.
So bauen sie mit leeren Händen
Stein um Stein ihr Geisterhaus.

Gedanken zerfressen, umranken besessen
das Opus magnum, die Geisterstadt.
Aus öden Häusern starren seelenlos Augen
stumm und fremd und angsterfüllt.

Alles ändert sich, nur nicht sie.
Alles ändert sich, sie sich nie.
Alles wird anders, sie stehen stumm.
Und prügeln auf toten Leichen herum.

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Cora (v.2)

Weiche Lippen, blaue Augen,
Sanftes Lächeln, treuer Blick.
Lange Beine, lange Wimpern,
Augenaufschlag mit Geschick.

Männer sind ihr schnell verfallen,
Stehen ganz in ihrem Bann,
Cora lacht, winkt ab und geht,
Die schöne Cora ist eine Lady.

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Glücksgefühl

Sie redet nicht gern mit den Schmuddelkindern,
ganz schmutzig und hässlich sind die.
Erst wenn sie sich gewaschen haben,
erst dann beachtet sie sie.

Die Themen von den Schmuddelkindern,
das sind ja ihre so garnicht.
Armut, Arbeit, Angst und Wut,
dabei ruht sie so glücklich in sich!

Die wütenden, tobenden Schmuddelkinder,
mit denen mag sie nicht streiten.
Die haben gar keine Argumente,
die haben nur ihr Leiden.

Nur manchmal denkt sie an die Schmuddelkinder,
und bedauert die armen ein Stück!
Zum Bedauern, da muss man nichts ändern,
vor allem sich selbst nicht, zum Glück.